Ein weiterer Wellnessversuch im RappSoDie – Bad Rappenau

Ein weiterer Wellnessversuch

RappSoDie – Bad Rappenau

Wellness-oase – wüste oder Krematorium

 

Aufgestachelt durch die Werbung von Groupon hatte ich die Idee, meiner Frau zu Ihrem Geburtstag einen Wellness-Tag zu schenken. Nun, rückblickend kann ich wohl bemerken, nicht eine meiner besten Ideen.

Aber fangen wir vom Anfang an. Das Angebot klang ziemlich verführerisch, ein Tag für 2 in einem renommierten Wellnesstempel für 28€, naja, warum nicht, zumal ich mich immer noch auf der Suche nach einer vernünftigen Sauna befinde.

Nun, rückblickend kann ich wohl bemerken, dass dieser Versuch ein Fehlversuch war.

Zur Erklärung, Maßstab der Dinge ist und bleibt die Kristallsauna in Bad Klosterlausnitz, meine vorherige Stammsauna, aber einmal der Reihe nach.

Erstaunlich war für mich schon, dass es im Onlineangebot der RappSoDie keinen Aufgussplan und auch keinen Lageplan des Bades, oder besser gesagt der Einrichtungen des Bades gab.

Nun, nachdem ich da war, kann ich auf jeden Fall das letztere erklären. Für einen Lageplan braucht  ein 3D-Modell des Bades, da es so verwinkelt und über ich schätze 6 Ebenen gebaut ist, dass es in einem Lageplan nicht darzustellen ist, sondern höchstens in einem 3-D-Modell.

Aber, wie gesagt, der Reihe nach.

An das Bad kann man nicht heranfahren, da es inmitten von Reha und anderen Kliniken liegt, so ist ein Fußmarsch von ca. einem halben Kilometer angesagt, bis man vor der Tür des Bades steht. Check-in mit dem Gutschein ohne Probleme, aber scheinbar verabsäumte es die Dame am Empfang uns darauf hinzuweisen, dass man sich vor dem Besuch der Salzgrotte eine viertel Stunde vorher an der Rezeption zu melden hat. Erstes Problem, aber egal, erst einmal hinein, und sich umziehen, sehr übersichtlicher Kleidungsaufbewahrungsraum, ok. Dann, nach dem entledigen der Kleidung, wohin? Aha, an der Decke sind schon mal Wegweiser, also folgen, hmm, also da geht’s zur Sauna, Zugangskontrolle via Armbandchip, ok. Ja, also durch, eine Tür geht auf und man steht in einer Gaststätte, ziemlich deplatziert mit Bademantel, so der erste Eindruck. Nach dem ersten Schreck geht es eine Etage tiefer in die Sauna, schon merkwürdig, die Einrichtung und der Zugang.

Also ok, eine Etage tiefer steht man dann in der Sauna……………

Der erste Eindruck………….. überall Gepäcknischen in den Wänden irgendwie  Liegen, eine Rezeption, eine Ruheraum und 3 Duschen, ein Tauchbecken und 3 Saunen, aha, mehrere Fußbecken………

Na, wie gewohnt erst einmal eine Liege sichern, man will ja schließlich wissen, wo man den Tag verbringt. Dann ein kurzer Blick auf den Aufgussplan, aha, steht nichts an, also erst einmal Nasssauna.

Halt, da war doch noch um 1200 der Aufenthalt in der Solegrotte, also erst einmal dahin, ok? Wohin?

Eine Frage bei den Bademeistern brachte wenigstens eine ungefähre Richtungsbestimmung. Meine Frau hatte Ihre blauen Füßlinge in der Aufregung irgendwo vertan, oh, die Dame am Empfang war gerade mit unschlüssigen neuen Gästen beschäftigt. Meine Frage wehrte Sie erst ziemlich unwirsch ab, aber mein Hinweis, dass wir für 1200 die Solegrotte gebucht hatten, brachte Sie dazu, uns umgehend ein Paar Ersatzfüßlinge zu geben und uns zu sagen, dass wir spät dran wären, da die Dame von der Rezeption mit den anderen Gästen schon hinunter gegangen wäre. Wir sputeten uns und verliefen uns auf Grund der sehr ungenauen Ausschilderung. Allerdings begegneten wir einer Masseuse, welche uns dann den richtigen Weg wies. Dabei begegneten wir dann der Dame von der Rezeption, welche uns dann in die Salzgrotte brachte.

Salzgrotte…….. Ja, es gibt da eine Menge Salz………… Mikroklima?????? Naja, als wir dort hereinkamen musste ich mal kurz husten und dann, naja 22 Grad Celsius, recht angenehm, aber 3 Tage am Meer, ich weiß ja nicht…………… viel gemerkt habe ich nicht davon und viel anders fühlte ich mich danach auch nicht, wer weiß?

Ok, also zurück in den Ruheraum zu unseren abgelegten Sachen, so dachte ich……..

Naja, nicht wirklich, unsere Sachen lagen auf einen Tisch, mit den Hinweis, dass das Personal die Sachen abgeräumt hatte, um ein reservieren von Liegen zu vermeiden und auch anderen Gästen die Möglichkeit zu geben, Liegen zu nutzen………..???? Ok, Es waren aber noch mindestens 10 Liegen im Raum frei, die ungenutzt waren, ohne dass sie jemand abgeräumt hatte…………. Andere Länder, andere Sitten, ok, muss man damit leben.

Meine Frau war mittlerweile schon einmal vor der Tür, um eine zu rauchen, und hatte so schon bemerkt, das der hiesige Saunagarten in mehreren Etagen mit einem Höhenunterscheid von ca. 10m angelegt war, was ihr mit ihren Kniebeschwerden unheimlich verlockend vorkam.

Ich versuche es einfach einmal damit zu beschreiben, dass sich die Begeisterung für ihr Geburtstagsgeschenk in Grenzen hielt. Wir besuchten also die Nasssauna, und schwitzten dort erst einmal vernünftig an. In den Duschen auf der Hauptetage gab es nur ganz kalt oder in der Reinigungsdusche ganz warm, beides sagte mir nicht wirklich zu. Und das Tauchbecken war so kalt, dass mir die Beine wehtaten, als ich hineinstieg. Also suchte ich erst einmal einen Platz, an dem wir unsere Taschen abstellen konnten und verfügten uns auf zwei Liegen. Danach versuchte ich meine Frau zu überreden, in den Kaffeeaufguss mit zugehen, aber sie hatte keine Lust, Treppen zu steigen, also ging ich allein. Auf meine Frage, wo sich denn die Sauna, in der der Aufguss stattfindet, befindet, erntete ich eine Beschreibung, die mich zu der Frage veranlasste, ob ich dafür einen Busfahrschein benötigte. Auf Grund der Zusicherung des Bademeisters, dass dies nicht so sei, entschloss ich mich doch, an dem Aufguss teilzunehmen.

Eine mittelgroße Sauna mit 90 Grad Celsius, halbwegs gefüllt. Die Bademeisterin kam rein, stellte sich und ihr Aufgussmittel kurz vor und goss dann aus einer Kaffeekanne eine farblose Flüssigkeit auf. Das reizte mich zu der meines Erachtens witzigen Aussage, dass ich diese Sorte Kaffee kenne, die gäbe es an jeder Tanke………..

Eisiges Schweigen antwortete mir, nur mein direkter Nachbar schaute kurz auf und schenkte mir den Anflug eines Lächelns, alle anderen konzentrierten sich eisern aufs Schwitzen und ignorierten ehern ihre Umwelt. Nicht nur meinem Nachbarn, sondern auch die Bademeisterin hatte ich mit meinem Humoranflug etwas aus dem Tritt gebracht, aber das erfuhr ich erst später.

Nun, der Kaffeeaufguss roch wie eine explodierte Kaffeemaschine mit einem Schuss angebranntem Karamell, naja, wer es mag? So ganz mein Ding war es nicht. Nach dem Aufguss gab es dann noch einen Gutschein über 1€ für eine Kaffeespezialität, ich denke, das war bei weitem das Beste am gesamten Aufguss. Ich ging wieder zu meiner Frau, suchte mir mein Handtuch wieder zusammen, welches wieder von der Liege entfernt wurde, und ging mit meiner Frau in die Gaststätte, zwecks Einlösung des Gutscheins und etwas Essen. Das Tagesgericht Entrecote gab es so nicht mehr, das Kaisergemüse war alle, ersatzweise sollte es dafür einen Salat geben, da mir diese Zusammenstellung  des Menüs zu abenteuerlich war, verzichteten wir darauf und wählten gebratene Champignons mit Reishut und Walnüssen, was sich im Nachhinein als sehr wohlschmeckende Wahl herausstellte. Der Pott Kaffee entpuppte sich als halb gefüllte größere Tasse für 2,20€! Ich rege mich schon an der Tanke auf, wenn ich für einen großen Kaffee (400ml) 3,85€ bezahlen soll, aber wenn man das mal hochrechnet, ist das ja geradezu ein Schnäppchen! Da käme man auf 9€ für diese Menge Kaffee! Aber, was solls, meine Frau brauchte das, also nicht verhandelbar.

Nach der Aufbuchung auf meinen Armbandchip begaben wir uns wieder in den Saunabereich, wo natürlich unsere Handtücher mit einem Hinweisschild auf dem Tisch lagen, obwohl von den 12 Liegen 8 frei waren. Ich schaute, ob es einen Aufguss gab, und versuchte meine Frau zu bewegen, mitzugehen. Der Aufguss fand im Kelo-Haus statt. Die Beschreibung des Bademeisters, wie ich da hinkam veranlasste mich zu der Frage, ob ich ein Busticket benötigte.

Nachdem ich den Höhenunterschied von 8m überwunden hatte, nahm ich in der Sauna Platz und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Es war ein Kräuter-Sole-Dampf-Sud oder so etwas Ähnliches. Tatsächlich stand eine Metallschüssel auf den Steinen, ja, nach Aussage des Bademeisters voller Sole und frischer Kräuter(?), von der Wiese konnten sie nicht sein, da standen noch keine. Und dann hatte er da noch einen Eimer mit Alpenkräuteressenz mit. Nach dem Aufgießen roch es wie aufgelöste Ricola-Bonbons. Alle schwitzten schweigend vor sich hin, und auch der Bademeister löffelte in ehernen Schweigen den Aufguss auf die Steine. Ich erlaubte mir dann, dieses Schweigen mit einer Frage an den Bademeister zu unterbrechen, was denn das nun bewirken soll, was er da anstellt. Unwillig antwortete er mir, dass er mir das später draußen erklären wollte. Empört war er über meine Antwort, als ich sagte, dass er wohl nicht multitaskingfähig sei, ich könnte schwitzen und zuhören. Der Rest des Aufgusses verlief in eisigem Schweigen. Daher meine am Anfang gestellte Vermutung, dass es sich hierbei nicht um eine Wellnessoase sondern höchstens -wüste handeln könnte, oder viel eher um ein Krematorium.

Nach dem Aufguss kletterte ich die 8m wieder nach oben, suchte mir mein Handtuch wieder zusammen und ruhte mich aus. Erklärend muss man hier noch hinzufügen, dass es in der gesamten Saunaetage keinen Sitzplatz außer vor den Fußtauchbecken gab. Außer an einem Tresen, der komplett mit Taschen zugestellt war, gab es nur die 12 Liegen mit Blick aufs Bad und den Ruheraum, in der Savannensauna dito, zum Sitzen musste man sich entweder in eine Sauna oder in die Gaststätte begeben. Sehr umsatzfördernd………..

Naja, also vor dem nächsten Aufguss sprach ich einmal mit der Bademeisterin. Jetzt erfuhr ich, dass es außergewöhnlich verpönt ist, bei den Aufgüssen zu sprechen, das störe die Konzentration. So erfuhr ich also, dass wir seit Jahren falsch schwitzen. Ich war doch glatt der Meinung gewesen, dass es sich hierbei um einen Wellnesstag handeln sollte, also ein Tag, der der Erholung, der guten Laune und vielleicht mit einer guten Unterhaltung abgerundet werden könnte. Vielleicht auch mal einen guten Scherz, über den man gemeinsam lachen kann. Nein, nein, in eisigem Schweigen schwitzen. Nun, ich überredete meine Frau doch noch bei dem Spezialaufguss mitzumachen, also nur 3m in die Savannensauna hinunter zu klettern.

Der Aufguss war, im Gegensatz zu der Ansage nicht nur 8 Minuten lang sondern gute 11, und das Spezial bestand aus einer Salz-Honig-Mischung, mit welcher man sich auf die Haut reibend peelen durfte. Nachdem ich das hinter mich gebracht hatte, sprach ich noch einmal kurz mit der Bademeisterin und schlug ihr vor, am Ende des Aufgusses nicht jeden Badegast einzeln drei eigene Handtuchschwünge zu geben, sondern mit zwei Runden Hubschrauber würde sie den gleichen Effekt erreichen, und würde in der Zeit bleiben. Daraufhin erklärte mir die Bademeisterin, dass es da sehr genaue Vorschriften über den Ablauf des Aufgusses gäbe und sie keine Möglichkeit hätte, davon abzuweichen. Unsere Unterhaltung wurde in nicht einmal normaler Gesprächslautstärke geführt, dennoch zischte uns aus der Liegeecke jemand an, weil wir ihm wahrscheinlich beim Schwitzen störten.

Nun, nach noch einmal Nasssauna verließen wir diese gastliche Stätte, beglichen unsere Rechnung und tappten wieder zu unserem Auto und fuhren nach Hause.

Zwei Ergebnisse hat dieses Wochenende dennoch gebracht, erstens, ich sauniere seit mindestens 20 Jahren falsch, ich dachte immer, dass wäre ein angenehmes Erlebnis, alles völlig falsch, und zweitens, für 58€ für 2 Personen gehe ich da nicht wieder hin und lasse mir den Mund verbieten, das kann ich an anderen Stellen preiswerter haben. Als Nebenergebnis wäre noch zu bemerken, dass ich  mich durch das Klettern im Außenbereich eine Erkältung geholt habe.

Ergo, weitersuchen, es muss doch hier in der Gegend so etwas geben wie die Kristallsauna Bad Klosterlausnitz…………….

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